Die Netiquette – so geht Kommunikation im Web 2.0

Im Internet herrscht spätestens seit dem „Web 2.0“ die Idee der uneingeschränkten Meinungsfreiheit. Hier haben sich in den letzten Jahren die so genannten Netiquette-Regeln durchgesetzt. Was aber versteht man darunter und wie genau nehmen es die Foren-Betreiber damit?

Der Begriff Netiquette setzt sich aus den Worten Net (dt. Netz) und Etiquette zusammen. Er bezeichnet Verhaltensregeln im Internet. Mit der Entwicklung des Web 2.0 in diesem Jahrtausend entstanden Regeln, um einen klaren Rahmen der Kommunikation im Netz zu gewährleisten. Dabei ist die Netiquette für Webseiten-Betreiber rechtlich nicht verpflichtend, hat sich aber in den letzten Jahren durchgesetzt. Anwendung findet sie vor allem bei den gut besuchten Websites wie etwa Spiegel Online, BILD. de und ähnliche. Aber auch kleinere Foren versuchen die Beiträge ihrer User über die Netiquette zu kontrollieren. Diese Regeln sollen den Benutzer jedoch nicht in seiner Meinungsfreiheit beschneiden, sondern dienen lediglich der Erinnerung zum sittlichen Benehmen im Schutze der Anonymität des WWW.
Das Klatsch-Portal vip.de, das zur RTL-Gruppe gehört, verzichtet auf jegliche Kontrolle seiner User. Gemeinhin kann ein Kommentar nur dann gepostet werden, wenn man sich zuvor registriert und den Nutzungsbestimmungen zugestimmt hat. Nicht so bei vip.de. Jedem Leser steht es frei, die Artikel über Promis und Möchtegern-Promis ohne vorherige Anmeldung zu kommentieren. Dabei scheint der ein oder andere schnell seine gute Erziehung zu vergessen. Über die tragische Fehlgeburt Lilly Allens fallen hämische Kommentare zu ihrem Rockstar-Lebenswandel. Nazan Eckes´ Buch über ihr Leben als Deutsch-Türkin provoziert eine mehr oder minder niveauvolle Diskussion über die Integration in Deutschland. Rassistische, verletzende oder beleidigende Äußerungen finden sich ebenso wie Appelle an die vip.de-Redaktion, solche Kommentare doch bitte zu beseitigen. Wie weit die User gehen dürfen, bevor ihr Kommentar gelöscht wird, ist schwer nachzuvollziehen. Nur selten finden sich die „Leider mussten wir hier einen Kommentar löschen.“-Hinweise der vip.de-Redaktion.
Es geht aber auch anders. Webseiten wie Spiegel online und auch BILD.de verpflichten ihre User, sich vorher mit den Regeln des guten Benehmens im WWW auseinanderzusetzen. Kommentare, die gegen die Netiquette verstoßen, werden gelöscht und der User wird verwarnt oder gänzlich gesperrt. Das Posten von Beiträgen erfolgt, anders als bei vip.de, nicht in Echtzeit. Die Kommentare werden von den Administratoren zunächst geprüft und anschließend freigeschaltet. So kann verhindert werden, dass unerwünschte Beiträge veröffentlicht werden. Diese Vorgehensweise wird aber nicht selten kritisiert. So beklagen sich viele User über eine Art der Zensur und eine Einschränkung des vielzitierten Paragraphen 5 im Grundgesetzbuch. Dass dieses Recht aber auch mit Einschränkungen verbunden ist, wird gerne verdrängt.
Wie gutes Benehmen im Web nun funktionieren kann, zeigen folgende Regeln, die der Netiquette von Spiegel online entnommen sind:

  • Behandeln Sie jeden so, wie Sie selbst behandelt werden möchten – Diskussionen sollten nur auf sachlicher Ebene geführt werden und niemals persönlich werden.
  • Keine rassistischen, beleidigenden, obszönen, pornografischen, jugendgefährdenden Äußerungen, keine Verherrlichung von Gewalt und Krieg, keine Leugnung des Holocausts – das ist strafbar.
  • Ihre Beiträge müssen sich inhaltlich am Diskussionsthema orientieren.
  • Veröffentlichen Sie Ihren Beitrag nur einmal – alles andere ist Provokation.
  • Möchten Sie einen anderen User direkt ansprechen, nutzen Sie die Schreibweise „@Nickname:“
  • Die Inhalte Ihrer Beiträge sollten verständlich formuliert sein – verzichten Sie auf Ironie und Doppeldeutigkeit, vermeiden Sie Missverständnisse.

Leider wird in der Weite des Internets und im Schutz der Anonymität viel zu oft die eigene Kinderstube vergessen. Sowohl User als auch Betreiber von Foren sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein.